Große Konjunktion (Jupiter und Saturn) am 21. Dezember, oder: Der Stern von Bethlehem?

Seit November mussten wir konsequenterweise und schweren Herzens leider wieder alle Veranstaltungen absagen, so auch die geplante Veranstaltung zur Konjunktion der beiden größten Planeten des Sonnensystems, Jupiter und Saturn am heutigen Abend. Einige haben vielleicht schon gehört, dass damals eine dreifache Konjunktion (d. h. eine dreimalige, enge Begegnung) im Jahre sieben v. Chr. als plausibelste Erklärung für den „Stern von Bethlehem“ angesehen wird. So selten sind diese Begegnungen gar nicht. Denn während Jupiter für einen Umlauf um die Sonne zwölf Jahre braucht und Saturn knapp 30 Jahre, dauert es nur 20 Jahre bis Jupiter Saturn erneut überholt. Nur meistens steht der Eine etwas südlicher und der Andere etwas nördlicher. Dieses Jahr begegnen sich beide aber am Montag, den 21. Dezember so eng, dass sie mit bloßem Auge kaum zu trennen sind. Jupiter zieht nur sechs Bogenminuten (6′) südlich vom Ringplaneten Saturn im Sternbild Steinbock vorbei. Das ist ein Fünftel des Vollmonddurchmessers. Die nächste genauso enge Begegnung der beiden Gasriesen wird erst wieder am 15. März 2080 stattfinden.

Kosmos Himmelsjahr 2020, S. 252

Voraussetzung ist natürlich, dass die Wolken das Schauspiel freigeben, was wettermäßig zu dieser Jahreszeit leider nicht sehr wahrscheinlich ist. Man kann aber nur kurz innehalten, denn Jupiter und Saturn haben die beste Sichtbarkeit des Jahres schon seiteinigen Monaten hinter sich und sind nur noch kurz abends in der Dämmerung zu sehen, bevor sie untergehen oder in den Dunstschichten verschwinden. Nötig ist auf jeden Fall eine möglichst horizontfreie Sicht in Richtung Südwesten. Die Abb. aus dem Kosmos Himmelsjahr 2020 zeigt, wie der Mond bereits am 17. Dezember gegen 18 Uhr an beiden Planeten vorbeiwandert.

Die engste Begegnung findet jedoch am 21. Dez. statt und ist am besten zwischen 16 und 17 Uhr zu beobachten. Beide Planeten stehen dann nur noch 7° über dem Horizont und gehen ungefähr um 18:45 Uhr unter.

Wer einen Feldstecher hat, kann bereits die vier Galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto beobachten, die zusammen mit dem ähnlich hellen Stern „HIP 99314“ (Sternkatalog basierend auf den Messungen durch den Astrometriesatelliten Hipparcos) wie auf einer Perlenkette aufgereiht scheinen. Selbst bei mittleren Vergrößerungen passt alles ins Bildfeld eines Okulars bei kleinen Teleskopen, wie hier in der Grafik aus der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ (Ausgabe 12|2020) dargestellt.

Sterne und Weltraum, 12/2020

Bereits Johannes Keppler beobachtete eine große Konjunktion zum Jahreswechsel 1682/ 1683 und zufälligerweise leuchtete ganz in der Nähe eine Supernova auf. Daher vermutete er, dass so etwas schon bei der Konjunktion im Jahre 7 v. Chr. passiert sein musste und dass dies der „Stern von Bethlehem“ gewesen sei. Einen Supernovaüberrest hat man in der Nähe des damaligen Auftretens nicht gefunden, aber damals war wohl auch schon klar, dass Jesus nicht im Jahr „Null“ geboren sein konnte, da König Herodes bereits im Jahr 4 v. Chr. gestorben ist.

Der Stern der Weisen (Auszug aus dem Kosmos Himmelsjahr 2020, Monatsthema Dezember)

Tatsächlich fand im Jahr -6 (historisch das Jahr 7 v. Chr.) im Sternbild Fische eine dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn statt. Nach dem Evangelium von Matthäus (Kap. 2, Vers 1‑12) und genauer Analyse der Keilschrifttexte der spätbabylonischen Astronomie geht man heute davon aus, dass damals eine Delegation von Magiern aus dem Osten in Jerusalem aufkreuzte. Die Magier waren die Tempelpriester der Stadt Babylon. Sie sahen in den Planeten Gottheiten. Ihr oberster Stadtgott war Jupiter, Marduk genannt. Kewan, der Planet Saturn, repräsentierte für sie den König der Juden. Nun trafen sich Marduk und Kewan dreimal im Sternbild Fische, das für sie das Land Palästina am Firmament darstellte. Da ihnen bekannt war, dass König Herodes alt und zudem leidend war, interpretierten sie in ihrer astrologischen Sichtweise die dreifache Konjunktion als Zeichen, ein Nachfolger am Königshof in Jerusalem sei geboren worden. So zogen sie nach Westen, um dem neuen König ihre Aufwartung zu machen. Doch sie versetzten Herodes in Erstaunen, als sie berichteten, sie haben „ein Gestirn“ gesehen, das die Geburt eines neuen Königs in Jerusalem angezeigt habe. Herodes erschrak und fürchtete Konkurrenz. So schickte er die Magier aus Babylon nach Bethlehem. Denn seine Schriftgelehrten erklärten, dass Bethlehem die Geburtsstätte des neuen Königs der Juden wäre, so die Aussage der Propheten. Herodes wiederum ließ alle Knaben von zwei Jahren und darunter töten, um einen eventuellen Nachfolger auszuschalten.

2 Gedanken zu „Große Konjunktion (Jupiter und Saturn) am 21. Dezember, oder: Der Stern von Bethlehem?“

  1. Wilhelm Kratochwil

    Bitte wer kann mir plausibel erklären, warum Herodes nach dem Zusammentreffen mit den Magiern alle Knaben im Alter von 2
    Jahren und darunter in Bethlehem und Umgebung töten ließ. Jesus wurde im Jahr 7 v. Chr. geboren, und Herodes beging diese Grausamkeit gemäß Matth. 2, 16 der Zeit entsprechend, nach der er die Weisen ausgeforscht hatte. Sie konnten aber in den Jahren 9 oder 8 v. Chr. keine 3-malige Große Konjunktion von Jupiter und Saturn beobachtet haben, weil diese erst 7 v. Chr. stattfand. Es ist auch undenkbar, dass die Weisen/Magier nach dem Erscheinen des “Sterns von Bethlehem”, eben dieser 3-ma-
    ligen Konjunktion, mit ihrer Reise nach Bethlehem 2 Jahre gewartet hätten, weil sie, als sie den Stern erneut sahen, gemäß Matth. 2, 10 “von übergroßer Freude erfüllt wurden”. Viele Forscher sehen die Tötungsgeschichte als unhistorisch an, zumal Josephus Flavius, der alle Schandtaten des Herodes auflistete, von einem Kindermord nichts berichtet. Andererseits schreibt Macrobius um 400/420 n. Chr. in seinen “Saturnalia”, als Herodes vom Kindermord hörte, habe er (in einem griechischen Wortspiel) gesagt, es sei besser ein Schwein als ein Sohn des Herodes zu sein, weil beim Kindermord auch ein Sohn des Herodes umgekommen sein soll; zwei andere Söhne ließ er hinrichten. Also ich kann mir auf die Zeitangabe “alle Knaben von 2 Jahren und darunter” keinen Reim machen, vielleicht jemand Anderer?

    1. Hallo Herr Kratochwil,
      ich bemühe mich, eine plausible Erklärung zu geben, weiß aber nicht, ob es mir bei diesem vielschichtigen Thema gelingt.
      Zunächst einmal möchte ich (als evangelischer Pfarrerssohn und Physiker mit Hobby Astronomie) anmerken, dass die Bibel kein historisch exaktes Buch ist, sondern ein Glaubensbezeugnis, dessen Schriften von den Anhängern des jüdischen (Altes Testament) und christlichen (Neues Testament) Glaubens zusammengetragen wurden. Die Autoren der Evangelien haben die zunächst mündlichen Überlieferungen erst 30 bis 70 Jahre nach Jesu Tod an verschiedenen Orten im Mittelmehrraum (Jerusalem, Griechenland, Kleinasien, Rom, …) und für ganz unterschiedliche Zielgruppen (Juden- oder (gebildete) Heidenchristen) niedergeschrieben (siehe Wikipedia \”Evangelien\”). Daher unterscheiden sich die Evangelien so sehr, weil sie einen unterschiedlichen Kenntnisstand der Adressaten voraussetzen konnten (z. B. Thorakenntnisse oder nicht). Sie greifen z. T. auf unteschiedliche Quellen zurück und Berichte haben oft nur eine symbolischen Charakter und können nicht als Zitate in unserem heutigen Verständnis gewertet werden.
      Ihre interessante Feststellung der logischen Inkonsistenz mit dem Alter von 2 Jahren ist tatsächlich ein (scheinbarer?) Widerspruch, wenn die Aussagen und Jahreszahlen wirklich alle korrekt und exakt wären. Mir ist das, ehrlich gesagt, noch gar nicht aufgefallen.
      Im einzelnen habe ich die folgenden Überlegungen zu Ihren Feststellungen.
      Zunächst ist das Jahr 7 v. Chr. ja auch nicht ganz sicher. Es beruht auf der Annahme, dass der Stern von Bethlehem die Jupiter-Saturn-Konjunktion ist, was aber auch nicht hundertprozentig sicher ist. Die Annahme erscheint mir persönlich, angesichts der Argumentation aus dem Monatsthema des Kosmos Himmelsjahres, am plausibelsten im Vergleich zu den anderen Theorien (siehe Wikipedia \”Stern von Bethlehem\”), wobei es aber zu allen Theorien Argumente dafür und dagegen gibt.
      Dass Jesus Christus nicht später als 4 v. Chr. geboren sein kann, beruht auf der Annahme, dass der Kindermord wirklich durch Herodes angeordnet und geschehen ist, woran Sie ja selbst die Zweifel erörtert haben. Der Todeszeitpunkt von Herodes scheint wohl eingiermaßen gesichert zu sein.
      Aber nehmen wir mal an, die Geburt oder (!) der Besuch der Weisen hat im Jahr 7 v. Chr. stattgefunden. Die Weisen/Tempelpriester konnten die Konjunktion zwar nicht im Jahr 9 oder 8 v. Chr. beobachtet haben, aber sie waren durchaus in der Lage, das Ereignis vorauszuberechnen (siehe Wikipedia, \”Stern von Bethlehem\”, Abschnitt Konjunktionstheorien, Konradin …, ganz unten: Keilschrifttafeln). Aber es erscheint mir auch nicht plausibel, dass sie \”zu spät\” gekommen sind und Jesus da schon zwei Jahre alt war. Die Konjunktion müsste schon (ungefähr) zur Geburt stattfinden… Die Reisezeit dürfte vermutlich eher Wochen, aber nicht Jahre gedauert haben.
      Bei Matth. 2, 16 steht: „Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte.“
      Die Aussage dass er (in Bethlehem + Umgebung) alle Kinder von 0 bis (!) 2 Jahre habe töten lassen und \”genau der Zeit entsprechend …\” passt ja auch nicht so logisch zusammen, außer die Sterndeuter konnten es nicht genauer (als +/- ein Jahr??) sagen. Die Konjunktion war ja einige Wochen lang zu sehen und es war eine dreifache Konjunktion. Die Reisezeit von Babylon hat sicher auch einige Wochen gedauert und war mit Planungsunsicherheiten behaftet. Die Entfernung Jerusalem – Bethlehem ist mit 10 km vernachlässigbar.
      Dann stellt sich natürlich die Frage, wie lange Herodes gebraucht hat, die Täuschung zu bemerken und die Mordaktion durchzuführen. Wenn die Magier/Priester vielleicht eine Art diplomatische Immunität gehabt haben sollten, musste er auch sicher gehen, dass sie wieder außer Landes waren. Dann hat er ja alle Kinder bis (!) zwei Jahre töten lassen, d. h. auch Neugeborene. Jesus war dann also vermutlich schon einige Wochen alt. Die Soldaten waren sicherlich nicht in der Lage, das Alter von Babies genau festzustellen. Auf die Behauptung der Eltern konnten sie sich sicherlich nicht verlassen und Geburtsurkunden oder irgendwelche schriftlichen Dokumente gab es damals bestimmt noch nicht.
      Ich denke, die plausibelste Erklärung ist, dass er in seinem Wahn ganz sicher gehen wollte, dass er Jesus erwischt.
      Vielleicht wollte der Evangelist Matthäus mit der Erzählung vom Kindermord ja auch nur eine Begründung für die Flucht nach Ägypten liefern, die wiederum auch nicht historisch belegt ist…
      Wie gesagt, Zahlen darf man in der Bibel nicht wörtlich nehmen, vieles ist nur symbolisch gemeint.
      Übrigens, laut Wikipedia (Kindermord in Bethlehem) schwankt die Zahl der getöteten Kinder zwischen 6 bis 20 (realistisch aufgrund der damaligen Größe Bethlehems) und 144.000 im Mittelalter (sicherlich maßlose Übertreibung) und die Aussage mit dem Schwein stammt nicht von Herodes selbst, sondern von Kaiser Augustus über Herodes. Soviel Selbstironie würde ich Herodes, wenn er so brutal war, nicht zutrauen.
      Entschuldigen Sie bitte den Umfang meiner Überlegungen. Ist meine Erklärung nachvollziehbar und plausibel?
      Viele Grüße,
      Martin Erhard

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