Hervorragende Teleskopspende

Groß war die Freude, als uns der Sternfreund Martin Hüttig aus Sehnde eine Teleskopspende aus Dänemark mitbrachte. Michael Koch fertigte einen entsprechenden Adapter für unsere Säulen und an diesem Wochenende konnten wir die ersten Beobachtungen damit machen: Ein hervorragendes Zeiss-Meniscas-Teleskop, das unser Verein nun besonders für Mond- und Planetenbeobachtung einsetzen wird.

Junger Mann beobachtet durchd as neue Teleskop.
Ein großartiges Geschenk von Jens Østergård Olesen. Wir sagen: Herzlichen Dank!
Østergård Olesen
Østergård Olesen

Jens Østergård Olesen – Biografie eines begeisterten Amateurastronomen und Förderers der Sternwarte

Jens Østergård Olesen wurde am 8. Februar 1927 in der Nähe von Århus in Dänemark geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend. Nach dem Ende der Schulzeit absolvierte er auf dem Lehrerseminar in Silkeborg ein pädagogisches Studium und wurde Realschullehrer. Seine Schwerpunktfächer wurden Biologie, Geografie und Deutsch. Nach Abschluss des Studiums begann er 1951 seine Arbeit als Lehrer  an der Realschule in Rønne auf Bornholm. Die Schule und die schöne Natur auf Bornholm sagten ihm zu, so dass Bornholm fortan zu seinem Lebensmittelpunkt wurde.

Schon in der Jugend erwachte sein Interesse an der Astronomie. Er las astronomische Bücher und bastelte sich aus Brillengläsern ein erstes, eigenes Fernrohr. Bald folgte mithilfe eines Handwerkers ein größeres Spiegelteleskop, dessen Spiegel in Handarbeit geschliffen wurde.  Auf Bornholm stellte er fest, wie dunkel der Himmel sein kann, inmitten der Ostsee, fernab von den großen Städten. Unter diesen bevorzugten Bedingungen entwickelte er sein Hobby zu voller Blüte. Als die wirtschaftlichen Verhältnisse zu Beginn der 60-ger Jahre besser wurden, kauften sich viele seiner Lehrerkollegen ein Auto. Nicht so Jens Østergård Olesen.  Er nahm all sein Geld zusammen und kaufte sich 1962 zum Preise eines Volkswagens das damals weltbeste Amateurteleskop: ein Meniscas-Teleskop hergestellt von der Firma VEB Carl Zeiss in Jena. Dieses Meniskas-Cassgrain-Spiegelteleskop mit einem Durchmesser von 150 mm und einer Äquivalentbrennweite von 2250 mm zeichnete sich durch seine erstklassige Optik aus. Eine bombenfeste, kaum mehr transportierbare Säule mit einer für die Ewigkeit gebauten Montierung sorgen für den festen Stand und spielfreien Antrieb. In seinem Garten abseits der Lichter von Rønne baute Jens Østergård Olesen  dafür eine komfortable Beobachtungshütte mit abschiebbarem Dach. Nun hatte er seine eigene Sternwarte.

Schon früh war bei Jens Østergård Olesen das Interesse erwacht, mit eigenen Beobachtungen zum wisenschaftlichen Kenntnisstand über das Weltall beizutragen. So schloss er sich der „Astronomisk Selskab“ (Astronomische Gesellschaft) in Kopenhagen an und wurde ein engagiertes Mitglied in mehreren Arbeitsgruppen. Seine Arbeitsergebnisse stellte er auch internationalen, amateurastronomischen Organisationen zur Verfügung. Hier erfolgte die weitergehenden Auswertung und die Zusammenführung mit den weltweit verfügbaren Beobachtungen anderer Beobachter. Darüberhinaus stand er in Kontakt mit professionellen Astronomen der Sternwarte Århus (Dänemark) und mit Prof. Cuno Hoffmeister (Sternwarte Sonneberg, DDR).

Aus dem Kontakt mit Prof. Hoffmeister entstand die Anregung, an der systematischen Beobachtung nachtleuchtender Wolken teilzunehmen, deren Entstehung in den oberen Schichten der Mesosphäre auch heute noch nicht vollständig verstanden ist. Durch die Beobachtungen wollte man herausfinden, ob hier Material von Meteorströmen eine Rolle spielt, welches von der Erde in Gestalt von Sternschnuppen eingefangen wird. Diese Beobachtungen führte Jens Østergård Olesen seit dem Sommer 1959 über 5 Jahrzehnte lang ohne Unterbrechung durch. In thematischer Verbindung damit nahm Jens Østergård Olesen auch mit der systematischen Beobachtung von Sternschnuppen zur genaueren Erfassung von Meteorströmen teil.

Der Einsatz des  Zeiss-Teleskops erwies sich als besonders wertvoll für die Beobachtung veränderlicher Sterne. Zeitweilig beobachtete Jens Østergård Olesen in aufeinander folgenden Nächten den Helligkeitsverlauf von bis zu 25 Sternen. Insgesamt führte er mit diesem Teleskop etwa 30.000 einzelne Beobachtungen an einer Vielzahl veränderlicher Sterne durch.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Beobachtung von Sternbedeckungen durch den Mond und hier besonders die Ermittlung einer möglichst präzisen Zeit von Beginn und Ende der  Bedeckung. Diese Messungen dienten der genaueren Berechnung der Mondbahn und der Untersuchung, wie hoch einzelne Berge und Erhebungen auf dem Mond sind. Für eine Dauer von 10 Jahren war Jens Østergård Olesen Leiter der dänischen Arbeitsgruppe auf diesem Gebiet.

Neben diesen wissenschaftlich ausgerichteten Arbeiten war es für Jens Østergård Olesen stets auch ein Anliegen, seine Begeisterung an der Astronomie an seine Mitmenschen weiterzugeben.  So gab er Astronomiekurse für Schüler an seiner Schule und für Erwachsene an der Volkshochschule in Rønne. Diese Gruppen und andere interessierte Mitbürger waren in seinem Haus und in seiner Sternwarte stets willkommen.

Soweit es die Gesundheit im hohen Alter noch erlaubt, ist Jens Østergård Olesen auch heute noch mit Freude astronomisch tätig. So nimmt er weiterhin an den Beobachtungsprogrammen von leuchtenden Nachtwolken und Meteorströmen teil. Beobachtungen am Fernrohr sind ihm allerdings nur noch stark eingeschränkt möglich.

Jens Østergård Olesen hat sich deshalb entschlossen, sein bestes Fernrohr an die nächste Generation von Amateurastronomen weiterzugeben. Er gab es als Geschenk an die neu entstehende Sternwarte in Sankt Andreasberg. Trotz des intensiven Gebrauchs ist die Qualität des Fernrohrs nach wie vor vorzüglich. Einige Renovierungsarbeiten sind jedoch erforderlich, um es auch äußerlich zu neuem Glanz zu bringen.

In eigener Sache (Martin Hüttig)

Es ist einer Reihe von glücklichen Zufällen des Lebens zu verdanken, dass ich Jens Østergård Olesen kennengelernt habe. Angefangen hatte alles bei einer dreiwöchigen Wandertour auf Grönland. Hier lernte ich meine spätere Frau kennen, eine  Dänin, die auf Bornholm ihr zuhause hatte. Seitdem ist Bornholm für mich eine zweite Heimat geworden. Wie Jens Østergård Olesen bin auch ich der Astronomie seit meiner Jugend eng verbunden. Auch mich fasziniert in dunklen Nächten der herrliche Sternhimmel über Bornholm, so dass ich gerne auch mein eigenes Fernrohr mit auf die Insel bringe.

Von Jens Østergård Olesen und seiner Sternwarte hatte dann zuerst meine Schwiegermutter auf Bornholm im Radio gehört. Eines Tages sandte sie mir einen Artikel aus der lokalen Zeitung  ”Bornholmeren” nach Deutschland zu, von dem sie wusste, dass er mein Interesse finden würde. Es war ein ganzseitiger Artikel über Jens Østergård Olesen, verbunden mit der Einladung an alle Interessierten, am ”Tag der Astronomie” im September 1993 zum Beobachten zu seiner Sternwarte zukommen. Ich war zu diesem Zeitpunkt leider nicht auf Bornholm. Es bedurfte dann noch eines weiteren Zeitungsartikels als Anstoß, bis ich im Jahr 2004 endlich zum Telefonhörer griff und mit Jens Østergård Olesen Kontakt aufnahm. Seitdem war ich mehrfach zu Gast im gemütlichen Hause Olesen und wir haben uns nicht nur über astronomische Belange sehr intensiv ausgetauscht.

Im fortgeschrittenen Alter konnte Jens Østergård Olesen sein Teleskop nicht mehr wie früher nutzen und überlegte, es abzugeben. Nun kam ich selbst in Gedanken, ob ich das Fernrohr nicht erwerben und auf Bornholm aufstellen könnte. Ich musste mir aber eingestehen, dass ich zu selten auf Bornholm bin, um diesen historischen Schatz auch wirklich gut zu nutzen. Und oft macht das Wetter dann auch noch einen Strich durch die Rechnung. So bin ich sehr froh, dass ich den Kontakt zur Sternwarte Sankt Andreasberg herstellen konnte. Jens Østergård Olesen bedurfte keiner langen Überlegung, um der Sternwarte sein Teleskop als Geschenk anzubieten. Im April 2015 durfte ich es für die Sternwarte nach Deutschland mitnehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Fernrohr hier in besten Händen ist und den Mitarbeitern der Sternwarte und ihren Besuchern noch viel Freude bereiten wird.

Mondaufnahme vom 07.08.2016
Mondaufnahme vom 07.08.2016

Einen großen Dank noch einmal an Jens Østergård Olesen und Martin Hüttig!

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