Auf dem zwischen
Braunlage und
Schierke
gelegenen Harzer Wurmberg ist die Einrichtung einer großflächigen,
künstlich beschneiten Skianlage geplant, auf der unter anderem
nächtliche Abfahrten angeboten werden sollen. Zu diesem Zweck ist die
Errichtung von mindestens 40 Flutlicht-Masten mit einer Höhe von bis zu
17 Metern vorgesehen. Der in Sankt Andreasberg, einem Ortsteil der
Stadt Braunlage, beheimatete Verein
Sternwarte Sankt Andreasberg e.V. lehnt die derzeitigen Planungen aus den nachfolgend dargestellten Gründen ab.
Die Gegend zwischen Sankt Andreasberg, Braunlage, Sorge und Elend gehört zu den wenigen Arealen in Deutschland, in denen noch
nahezu natürlich dunkle Nachtverhältnisse
vorherrschen. Aus diesem Grund sind diese Ortschaften ganz hervorragend
für die amateurastronomische sowie auch für die professionelle
Himmelsbeobachtung geeignet. Bei guten Beobachtungsverhältnissen ist es
hier sogar möglich, nicht nur die Milchstraße, sondern auch das
Zodiakallicht mit bloßem Auge wahrzunehmen. Damit besteht für die Gegend die Chance, von der
International Dark Sky Association
(IDA), einer international tätigen Organisation zur Förderung der
Astronomie, die sich für den Schutz von Orten mit guten
Beobachtungsbedingungen weltweit einsetzt, zu einem „Dark Sky Park“ –
einem sogenannten Sternenpark –
zertifiziert zu werden. Im Erfolgsfalle bestünde damit langfristig sogar die Möglichkeit, in das
Kulturerbe-Programm der UNESCO aufgenommen zu werden.
Der Verein Sternwarte Sankt Andreasberg e.V. – der sich primär für den
Bau einer Sternwarte in Sankt Andreasberg einsetzt – bereitet seit mehreren Jahren ein solches Antragsverfahren vor und betreibt zu diesem Zweck unter anderem
zwei automatische Messstationen,
mit denen Daten über die Himmelshelligkeit über Sankt Andreasberg
gesammelt werden. Die angestrebte Zertifizierung wäre ein enormer
Entwicklungsschub für den aufblühenden Astrotourismus in der Region,
der durch den Verein mit Veranstaltungen wie etwa dem jährlich
ausgerichteten
Sankt Andreasberger Teleskop-Treffen (STATT) sowie
weiteren astronomischen Veranstaltungen
aktiv gefördert wird. Derzeit gibt es in Europa lediglich vier
derartige Sternenparks, darunter noch keinen in Deutschland, womit für
den Westharz die Chance auf eine europaweit herausragende Stellung in
der Amateurastronomie bestünde.
Die Mitglieder des Vereins Sternwarte Sankt Andreasberg e.V. betrachten
diese Chancen sowie auch die grundsätzlichen Aussichten für die
Amateurastronomie und den Astrotourismus in der Region durch die
geplante Errichtung von 40 oder mehr Flutlicht-Masten als erheblich
gefährdet, wobei insbesondere die starke Reflexionswirkung am Schnee zu
berücksichtigen ist. Dass eine derartige Anlage voraussichtlich nur
während der Wintermonate betrieben würde ist dabei nur von
untergeordneter Bedeutung, da aufgrund der früh einsetzenden Dunkelheit
gerade die Wintermonate für die Astronomie von besonderer Bedeutung
sind. Insbesondere für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (es
finden sich fünf Schullandheime in unmittelbarer Nähe), die ein
Herzstück der Vereinstätigkeit darstellt, ist es unverzichtbar, auch am
frühen Abend Beobachtungen anbieten zu können.
Die Planungen im Rahmen des Projekts „Wurmberg 2015“ gefährden daher
nicht nur die jahrelangen Bemühungen des Vereins um die Vorbereitung
eines Sternenpark-Antrags, sie stellen auch die gesamte Jugendarbeit
des Vereins, den regionalen Astrotourismus sowie den Standort der
geplanten Sternwarte auf der Jordanshöhe in Sankt Andreasberg in Frage,
für den seitens des Vereins bereits Grundstücke erworben sowie
Gutachten zur Umweltverträglichkeit des Bauvorhabens in Auftrag gegeben
wurden.
Der Verein befürwortet aus diesem Grund das derzeit durch
BUND und
NABU
angestrengte Widerspruchsverfahren und verweist bezüglich der über den
Themenbereich der Astronomie hinausgehenden
Bedenken gegen das Projekt
(Rodung von mehr als 100.000 Quadratmetern Wald, mögliche Gefährdung
des Wasserschutzgebietes, Abkehr vom sanften Tourismus) auf die
diesbezügliche
gemeinsame Stellungnahme von BUND und NABU.
Der Vereinsvorstand betont, dass der Verein der touristischen Nutzung
des Wurmbergs nicht grundsätzlich kritisch gegenübersteht und selbst
durch die Förderung des Astrotourismus zum touristischen Angebot der
Region beiträgt. Der enorme Umfang des Vorhabens sowie die zu
befürchtenden Auswirkungen machen eine kritische Begleitung dieses
Vorhabens jedoch unabdingbar, da es – neben den Auswirkungen auf die
Natur – nicht einzusehen ist:
- dass ein privatwirtschaftliches Einzelprojekt die jahrelange Aufbauarbeit des Vereins zunichtemacht,
- dass die einmalige Chance einer Zertifizierung der Harzregion zu einem der weltweit seltenen Sternenparks sowie mögliche Folgezertifizierungen durch die UNESCO verhindert werden,
- dass die für astronomische Beobachtungen hervorragend geeignete Jordanshöhe
als Sternwarten-Standort für Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gefährdet wird,
- dass die Zunahme des Astrotourismus – der als eine nachhaltige und
sanfte Form des Tourismus
besonders förderungswürdig erscheint – durch
die Realisierung dieses Projektes ausgebremst wird,
- dass es den zahlreichen Amateurastronomen in der Region zukünftig
schwieriger gemacht
wird, während eines Großteils der Wintermonate
ihrem Hobby nachzugehen,
- dass Kinder und Jugendliche und zunehmend interessierte Touristen, die
sonst in lichtverschmutzten Lebensräumen zuhause sind, nicht einmal
mehr in Stankt Andreasberg den Sternenhimmel erleben können.
Eine sich aus den unterschiedlichen Zielen, Vorstellungen und
Positionen aller beteiligten Parteien ergebende gegenseitige Skepsis
ist dabei durchaus verständlich. Der Vereinsvorstand ist dennoch der
Auffassung, dass ausschließlich sachliche Gespräche sowie die
transparente Bereitstellung von Informationen (etwa zu den Details der
Beleuchtungsplanung) dazu beitragen können, einen gemeinsamen,
konstruktiven und kompromissorientierten Weg zu beschreiten.
Zu diesen Gesprächen ist der Verein jederzeit gerne bereit.
Der Vorstand der Sternwarte Sankt Andreasberg
Utz Schmidtko (1. Vorsitzender) | Reinhard Görke (2. Vorsitzender) | Ralf Gehrmann
Elfriede Fischer | Christian Reinboth | Bettina Strohmeyer | Veronika Koolen-Riechert
Sankt Andreasberg, den 22.01.2012
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